Auktion: 531 / Wertvolle Bücher am 28.11.2022 in Hamburg Lot 422000397

 

422000397
Friedrich Schiller
Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen, 1780.
Schätzpreis: € 25.000
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Fake und Psychosomatik

Friedrich Schiller
Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen. Eine Abhandlung welche in höchster Gegenwart Sr. Herzoglichen Durchlaucht, während den öffentlichen akademischen Prüfungen vertheidigen wird Johann Christoph Fridrich Schiller. Stuttgart, C. F. Cotta (1780).

- Schillers erste selbständige Veröffentlichung
- Erste Ausgabe, Rarissimum der Schiller-Literatur
- Medizinische Abschlußarbeit über das Zusammenwirken von Seele und Körper
- Vorwegnahme der psychosomatischen Medizin mit Belegen aus der dramatischen Literatur
- Enthält Zitate aus Schillers noch unveröffentlichtem ersten Schauspiel "Die Räuber" mit fingierter Quellenangabe!


"Ich gestehe, dass ich den Besitz dieser Seiten über alle Frühausgaben der Räuber schätzen würde, denn in einem solchen Falle ist man ganz nahe beim Dichter selbst, hier ist tatsächliches Erstlingstum" (Karl Wolfskehl)

Erste Ausgabe von Schillers höchst bemerkenswerter Dissertation über den Einfluß der Psyche auf den Körper. Es war sein dritter Anlauf, nachdem zwei vorangehende Arbeiten von der Karlsschule abgelehnt worden waren. Sinngemäß lautete die Begründung: Zu philosophisch, zu poetisch. Schiller war vermutlich der einzige Medizinstudent, der drei Examensarbeiten schrieb. Mit der vorliegenden Schrift, die heute als seine reifste medizinische Leistung gilt, hatte er schließlich Erfolg. Als frischgebackener Regimentsmedikus konnte er im Dezember 1780 die Akademie verlassen und war berechtigt, als Wundarzt zu praktizieren.
Auch literarisch ist die Abhandlung von besonderem Wert, denn sie ist zugleich eine dreiste Mystifikation, mit dem sich der angehende, noch unbekannte Dichter in Szene setzt und seine Gutachter düpiert. Denn neben Shakespeare und Goethe belegt er seine psychosomatischen Thesen mit Zitaten des Räuberhauptmanns Franz Moor aus seinem im Entstehen begriffenen Schauspiel Die Räuber , die laut Fußnote aus der englischen Tragödie Life of Moor stammen sollten, verfaßt von einem A. Krake, mit genauer Stellenangabe (5. Akt, 1. Szene). "Für die Textgeschichte der Räuber besonders interessant, weil es Abweichungen von dem ersten Druck des Dramas aufweist. Ein anderes Beispiel zeigt, dass Schiller sich schon damals mit der Geschichte des Fiesko befasst hat." (Kat. Deneke) - Die Räuber, Schillers erstes Drama, erschien 1781 zunächst anonym. Mit der Uraufführung am 13. Januar 1782 in Mannheim wurde Schiller schlagartig berühmt.

EINBAND: Marmorierter Pappband mit Rückenschild im Stil des 19. Jahrhunderts. 20 : 16 cm. - KOLLATION: 4 Bll., 44 S. - ZUSTAND: Etw. stockfleckig, Titel im Bundbereich mit Knickspur.

LITERATUR: Goedeke V, 161, 20a. - Marcuse 29. - Kat. Deneke 748. - Borst 402. - Vgl. B. Werner, Friedrich Schiller und die Medizin . In: Dt. Ärztebl. 2012; 109(18): A 913-8 (online verfügbar).

1 Beigabe (Faksimile der Dissertation, Ingelheim 1959).

Schiller's first separate publication. Very rare first edition. His final medical thesis on the interaction of soul and body, an anticipation of psychosomatic medicine with evidence from dramatic literature. Of particular significance due to the interspersed quotations from Schiller's first play "Die Räuber", which was in progress at that time and not yet published. According to a fictitious footnote they come from an English tragedy "Life of Moor", written by one A. Krake. Marbled cardboard with label in 19th cent. style. - Some foxing, title with crease at the gutter.(R)




 

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